TV-Duell zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz: Zuschauer haben einen klaren Sieger - hier flogen die Fetzen

Am Mittwoch kam es zum zweiten direkten Aufeinandertreffen zwischen den Kanzlerkandidaten von Union und SPD im TV. Friedrich Merz und Olaf Scholz stritten erneut zu Themen wie Wirtschaft oder Migration, signalisierten aber auch Vertrauen zueinander. Für das Publikum lag am Ende einer der Kontrahenten klar vorn.

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Olaf Scholz (l.) und Friedrich Merz (r.) trafen sich zum zweiten TV-Duell vor der Bundestagswahl. (Foto) Suche
Olaf Scholz (l.) und Friedrich Merz (r.) trafen sich zum zweiten TV-Duell vor der Bundestagswahl. Bild: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Michael Kappeler
  • Zuschauer sehen Friedrich Merz beim zweiten TV-Duell gegen Olaf Scholz klar vorn
  • Kanzlerkandidaten geben sich zum Teil versöhnlich
  • Streit bei Themen wie Wirtschaft, Steuern, Migration oder AfD
  • Debatte in sozialen Medien über Performance von Scholz und Merz

Kurz vor der Bundestagswahl trafen sich Olaf Scholz und Friedrich Merz am Mittwoch zum zweiten Mal zum TV-Duell. Dieses Mal bei "Welt TV" und "Bild". Die Kanzlerkandidaten von SPD und Union stritten sich erneut bei Themen wie Wirtschaft, Steuern oder Migration. Zwischendurch gab es aber auch ein wenig lockeres Geplänkel zwischen den beiden Kontrahenten. Die Zuschauer hatten nach dem Schlagabtausch einen klaren Sieger.

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Zweites TV-Duell zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz mit klarem Sieger laut Umfrage

Wie eine Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstitus Insa für "Welt" ergab, fanden 53 Prozent, dass sich Friedrich Merz in dem Duell besser geschlagen hat. Nur 27 Prozent votierten für Olaf Scholz, weitere 19 Prozent sahen die beiden Kandidaten gleichauf. Auch argumentativ konnte Merz für das Publikum mehr punkten als Scholz. Den SPD-Kanzler fanden aber mehr Befragte (40 Prozent) sympathischer als Merz (34 Prozent).

Olaf Scholz und Friedrich Merz signalisieren Vertrauen zueinander

Beide Politiker versuchten im sonst hart geführten Wahlkampf offenbar auch ein wenig die Wogen zu glätten. So beantwortete Olaf Scholz die Frage, ob er zu Hobbypilot und Flugzeugbesitzer Merz in die Maschine steigen würde, klar mit "ja". Der CDU-Chef sagte, dass er auch zu Olaf Scholz ins Ruderboot steigen würde. Ein gewisses Vertrauen zwischen den beiden Kandidaten scheint also durchaus vorhanden zu sein. Kein Wunder, denn schließlich ist eine Zusammenarbeit nach der Bundestagswahl am 23. Februar nicht ausgeschlossen. So könnte die Union die SPD möglicherweise als kleinen Koalitionspartner brauchen.

Wirtschaft, Steuern, Migration, AfD: Darüber stritten die Kanzlerkandidaten von Union und SPD

Dabei gibt es noch viele Streitpunkte zwischen den Parteien. Bei diesen Themen flogen im TV-Duell kurz vor der Bundestagswahl noch einmal die Fetzen:

Wirtschaft: Bei der Frage, wie die kränkelnde deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs gebracht werden soll, herrscht Uneinigkeit. Scholz schlug unter anderem eine Investitionsprämie für Unternehmen und eine Reform der Schuldenbremse vor. Merz konterte: "Das ist das alte Lied der Sozialdemokraten: höhere Steuern, höhere Staatsverschuldung, höhere Staatsausgaben." Das könne nicht die Lösung sind. Der Kanzlerkandidat der Union plädierte für sinkende Energiepreise und sinkende Steuern und sowie einen Rückbau der Bürokratie. Olaf Scholz entgegnete zu den Steuer-Plänen des CDU-Chefs: "Herr Merz möchte Leuten, die so viel verdienen wie er und ich, oder noch viel mehr, 20 Milliarden Euro Steuersenkung schenken - 85.000 für einen Dax-Vorstand, 10 Euro pro Monat für eine Verkäuferin. Das ist nicht in Ordnung."

Mehrwertsteuer: Während Olaf Scholz eine Mehrwertsteuererhöhung nach der Bundestagswahl ausschloss, blieb Friedrich Merz dazu undeutlich. "Ich möchte die Mehrwertsteuer nicht erhöhen."Auf die Bemerkung der Moderatoren, er schließe eine Erhöhung also nicht aus, sagte er: "Wir werden doch möglicherweise auch Koalitionsverhandlungen zu führen haben." Er halte eine Erhöhung persönlich aber für den falschen Weg.

Bürgergeld: Zwar fordern sowohl Scholz als auch Merz härtere Sanktionen gegen Bürgergeldempfänger, falls diese arbeitsunwillig sind. Allerdings wollen die beiden Politiker dabei andere Wege gehen. Scholz schlug vor, Betroffenen öffentlich geförderte Jobangebote zu machen, um klar nachweisen zu können, "dass jemand offenbar sich drückt". Merz lehnt ein solches Modell ab. Er will nicht noch mehr Geld für das Bürgergeld-System ausgeben.

Migration: Olaf Scholz wies auf erste Erfolge beim Zurückdrängen der irregulären Migration und bei Abschiebungen hin, räumte aber ein, dass diese noch nicht ausreichten. Friedrich Merz behauptete, dass sich in Deutschland "ungefähr 500 amtlich bekannte Gefährder, überwiegend aus Afghanistan und aus Syrien" aufhalten würden. Diese habe ein Landrat aus Baden-Württemberg als "tickende Zeitbomben" bezeichnet. Noch immer habe man kein Instrument an der Hand, diese festzunehmen und abzuschieben.

  • Wie die Deutsche Presse-Agentur in einem Faktencheck darstellt, stufte das Bundeskriminalamt zum Stichtag am 1. August 2024 insgesamt 472 Personen als islamistische Gefährder ein, die sich seinerzeit aber nicht allesamt in Deutschland befanden. Nur 208 haben sich demnach in der Bundesrepublik auf freiem Fuß befunden. Von im April 2024 insgesamt 480 als Gefährder eingestuften Menschen seien 342 deutsche Staatsbürger gewesen. Diese können nicht abgeschoben oder ausgewiesen werden.

AfD: Olaf Scholz attackierte Friedrich Merz erneut dafür, dass er einen Antrag der Union zur Migrationspolitik mit Stimmen der AfD im Bundestag zu einer Mehrheit verhalf. "Sagen Sie es doch: Sie lassen sich von der AfD nicht zum Kanzler wählen", forderte der SPD-Kanzler seinen Konkurrenten heraus. Merz betonte, dass er "eine stabile Mehrheit" im Parlament möchte. Eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten schloss er aus. "Und das ist klar und endgültig."

Reaktionen auf TV-Duell: Wie performten Olaf Scholz und Friedrich Merz?

Auf sozialen Medien wie X (vormals Twitter) wurde ebenfalls über das zweite TV-Duell zwischen Scholz und Merz diskutiert. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Während einige Nutzer das Format lobten, gab es geteilte Meinungen zu den Aussagen der beiden Kanzlerkandidaten. Kommentare lauteten zum Beispiel:

  • "#tvduell das ist ein erfrischend anderes TV Duell mit Scholz und Merz. Offene und direkte Fragen. Endlich werden Probleme adressiert. Well done Welt TV. ÖRR kann einpacken", so dieser Nutzer.
  • "Das Kanzlerduell bei WELT ist irgendwie erfrischend anders als die bisherigen. Deutlich weniger steif. Etwas persönlicher und menschlicher. #TVDuell", heißt es in einem weiteren Kommentar.
  • "#TVDuell Merz leider mit einem sehr arroganten Auftritt", schreibt ein anderer User.
  • "Scholz' Performance ist so gnadenlos schlecht, aber auch daran ist seiner Meinung nach vermutlich Friedrich Merz schuld", so noch eine Meinung.

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/ife/news.de/dpa

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