Olaf Scholz: "Realitätsverlust": Bundeskanzler entsetzt mit Wiederwahl-Prognose

Olaf Scholz bleibt trotz mieser Umfragewerte für die SPD optimistisch und glaubt weiter an einen Wahlsieg. Das betonte der Bundeskanzler jetzt noch einmal im Gespräch mit dem "Spiegel". Mit seinen Aussagen offenbart Scholz für viele "Realitätsverlust".

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Olaf Scholz hält es weiterhin für möglich, dass die SPD die Bundestagswahl gewinnt und er Kanzler bleibt. (Foto) Suche
Olaf Scholz hält es weiterhin für möglich, dass die SPD die Bundestagswahl gewinnt und er Kanzler bleibt. Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka
  • Olaf Scholz glaubt weiter an Sieg bei Bundestagswahl 2025
  • Laut SPD-Kanzler liegt Chance für zweite Amtszeit bei 60 Prozent
  • Bürger werfen Scholz nach Interview "Wahrnehmungsstörungen" und "Realitätsverlust" vor

Seine Beliebtheitswerte sind seit Wochen im Keller und die SPD befindet sich in Umfragen deutlich hinter Union. Doch Bundeskanzler Olaf Scholz glaubt immer noch an eine weitere Amtszeit. Im Spitzenkandidatengespräch mit dem "Spiegel"-Journalisten Markus Feldenkirchen äußerte sich der 66-Jährige optimistisch über einen möglichen Wahlsieg. Für manche Bürger grenzen seine Aussagen an Realitätsverlust.

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Zu Beginn des Gespräch wollte Markus Feldenkirchen deshalb von Scholz wissen: "Herr Bundeskanzler, sind Sie wahnsinnig?" Der SPD-Politiker blieb gelassen und antwortete: "Nein, das bin ich nicht. Aber ich habe ja gute Erfahrungen gemacht, entgegen aller Prognosen Wahlen zu gewinnen...insofern bin ich ganz zuversichtlich, dass es wieder gelingt. Vor allem weil die Demokratie ja anders ist als einige sie sich vorstellen. Da wird nicht lange im Voraus entschieden, wie eine Wahl ausgeht. Sondern das geschieht in der Wahlkabine, wenn die Bürgerinnen und Bürger sich ihre Gedanken machen und sagen, wie soll es weitergehen, wem traue ich da am besten zu, das Land zu regieren?"

Hintergrund: Bei der Bundestagswahl 2021 deutete sich lange ein Wahlsieg der Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet (63) in Umfragen an. Doch dem CDU-Politiker wurde wohl letztendlich ein Foto zum Verhängnis, das bei seinem Besuch nach der Flutkatastrophe im Ahrtal entstand. Darauf ist Laschet mit einem breiten Lachen zu sehen, was viele Bürger angesichts der schlimmen Situation vor Ort als unpassend empfanden. Die SPD startete 2021 eine Aufholjagd, lag mit 25,7 Prozent bei der Bundestagswahl schließlich vor der Union (24,2 Prozent).

SPD in Umfragen deutlich hinter CDU und CSU

Aktuell ist die Ausgangslage für die SPD deutlich schwieriger. In Umfragen dümpelt sie zwischen 15 und 17 Prozent herum, während die Union zwischen 29 und 34 Prozent liegt und damit klar stärkste Kraft ist. Olaf Scholz stellte im "Spiegel"-Interview dennoch klar: "Mein Ergebnis soll sein, dass wir vor der CDU liegen. Und das ist natürlich ambitioniert wenn man die Umfragewerte sieht." Er halte es dennoch für möglich "Viele sind unentschlossen. Das ist ganz besonders bei dieser Wahl der Fall."

Olaf Scholz noch einmal Bundeskanzler? SPD-Politiker schätzt Chance auf 60 Prozent

Markus Feldenkirchen zeigte sich "durchaus fasziniert" von Scholz' Optimismus und hakte nach: "Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Sie auch die nächsten vier Jahre Bundeskanzler sind? 30 Prozent? 50 Prozent?" Der SPD-Politiker nannte darauf einen noch höheren Wert: "Ich würde mal sagen 60." Olaf Scholz wollte allerdings keine konkrete Antwort darauf liefern, wer sein Wunschkoalitionspartner wäre. Lediglich eine Zusammenarbeit mit der in Teilen rechtsextremen AfD schloss er aus. "Da kann man bei der SPD und mir sicher sein, dass das nicht der Fall ist. Bei anderen nicht mehr so, was ich übrigens sehr bedauere." Damit spielte Olaf Scholz auf die gemeinsame Abstimmung von Union und AfD im Bundestag vor rund zwei Wochen hat. CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hatte einen Entschließungsantrag zur Verschärfung der Migrationspolitik ins Parlament eingebracht. Auch dank Stimmen der AfD bekam dieser eine Mehrheit.

Olaf Scholz wird "Realitätsverlust" nach Interview vorgeworfen

Dass Olaf Scholz immer noch an seinen Wahlsieg glaubt, stößt zum Teil auf großes Unverständnis. Auf der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) äußerten sich einige Nutzer zu dem Kanzler-Interview und schrieben Kommentare wie:

  • "Das ist schon ein Fall von schwerer Wahrnehmungsstörung. So 'cool' wie #OlafScholz sich fühlt hat er das bestimmt lustig gemeint."
  • "Offenbart diese Einschätzung nicht Erstaunliches? Vermutlich irrt er sich in anderen Angelegenheiten ebenso fatal."
  • "Realitätsverlust."
  • "Sein Selbstbewusstsein hätte ich auch gerne."
  • "60 %? Gut, dann steigt Schalke 04 auch noch auf und Borussia Mönchengladbach spielt nächstes Jahr in der ChampionsLeague."
In einem weiteren Kommentar wird Scholz für seine Antwort verteidigt: "Warum sollte er sich selbst schlecht reden? Das ist Aufgabe anderer. Bin kein Fan von Scholz, aber sorry, Herr Feldenkirchen: Diese ganze Frage ist absolut irrelevant."

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