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Angela Merkel: Hätte "lieber die Klappe halten" sollen - Altkanzlerin empört mit Merz-Kritik

Nachdem Friedrich Merz im Bundestag einen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik mit Hilfe der AfD durchgebracht hat, ist die Empörung groß. Auch Altkanzlerin Angela Merkel kritisiert den CDU-Chef. Doch damit sorgt sie für reichlich Empörung in den eigenen Reihen.

Angela Merkel kritisiert Friedrich Merz heftig nach der gemeinsamen Abstimmung mit der AfD. (Foto) Suche
Angela Merkel kritisiert Friedrich Merz heftig nach der gemeinsamen Abstimmung mit der AfD. Bild: news.de Montage (picture alliance/dpa | Michael Kappeler; picture alliance/dpa/dpa-Pool | Rolf Vennenbernd)

Mit Hilfe der AfD hatte die Union am Mittwoch (29.01.2025) einen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag durchgesetzt. Es hagelt schwere Vorwürfe gegen CDU-Chef Friedrich Merz. Die Brandmauer gegen die AfD sei gefallen, heißt es. Das bestreitet Merz jedoch vehement.Einen Tag später mischt sich Ex-Kanzlerin Angela Merkel in die Debatte ein und kritisiert den CDU-Chef scharf. Hätte sie schweigen sollen?

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Merkel nannte es "falsch", erstmalig eine Mehrheit mit Stimmen der AfD zu ermöglichen. In einer von ihrem Büro veröffentlichten Erklärung erinnerte die Kanzlerin a.D. an eine frühere Aussage von Merz, nur mit SPD und Grünen vereinbarte Entscheidungen auf die Tagesordnung zu setzen, damit keine Mehrheit mit der AfD zustande komme. Damit stößt Merkel jedoch nicht nur auf Zustimmung. Vor allem innerhalb der CDU brodelt es nach den Worten der Altkanzlerin heftig.

Hätte "lieber die Klappe halten" sollen: Empörung über Merkel-Kritik an Merz

"Die Linie von Union und Friedrich Merz ist richtig. Wir brauchen einen fundamentalen Politikwechsel in der Migration. Wenn wir dieses Problem nicht aus der politischen Mitte heraus lösen, lösen es andere, aber nicht in unserem gemeinsamen Sinne", sagte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) gegenüber der "Bild". Damit steht er nicht allein da.

"Die Äußerung von Frau Merkel ist nachdrücklich zu kritisieren! Das große Dilemma, in dem die CDU heute ist und das Friedrich Merz versucht zu reparieren, ist vor zehn Jahren von Frau Merkel in der Flüchtlingskrise begründet worden – und zwar rechtswidrig gegen deutsches und gegen europäisches Recht. Deshalb sollte sich Frau Merkel wahrlich zurückhalten, wenn ihre eigene Partei versucht, das alles zu reparieren", wettert Rupert Scholz, ehemaliger Verteidigungsminister, gegenüber der "Bild". "Gerade bei dem Thema der illegalen Migration wären weniger Kritik an anderen – und dafür etwas mehr Selbstkritik durchaus angebracht bei Frau Merkel", spielt der innenpolitische Sprecher der Union Alexander Throm den Ball an die Altkanzlerin zurück.

"Frau Merkel hat das Recht auf ihre Meinung, aber es gehört zum guten Ton, sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt öffentlich zurückzuhalten. Sie wäre besser beraten gewesen, sich daran zu halten", merkt Jan Redmann, CDU-Landeschef in Brandenburg, gegenüber der "Bild" an. Harte Worte findet auch Eckhardt Rehberg, einer der engsten Weggefährten von Merkel, im Gespräch mit der "Bild". "Sie hätte als Ex-Kanzlerin einfach schweigen sollen. Man macht das nicht, man hält sich als Ehemaliger zurück", sagte er. "Wir reden im Wahlkampf über viele, die lieber die Klappe halten sollten. Das gilt nicht nur für ehemalige Ministerpräsidenten – das gilt auch für Frau Merkel. Im Alter sollte man seine Fehler erkennen. Schon in ihrem Buch findet sich bei Angela Merkel davon nichts. Nun das! Wenn ich in die Gemeinden gehe, die ihr 'Wir schaffen das' organisieren sollen, dann kann ich nur sagen: Die schaffen das nicht mehr", sagtePeter Harry Carstensen, Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, dem Blatt.

Weggefährten loben Merkel

Doch die "Bild" hat nicht nur kritische Stimmen gegen Merkel gesammelt. "Das Feixen der AfD zeigt erneut: Sie darf nie bestimmen, wer die Mehrheit hat. Die Demokraten in Regierung & Opposition müssen nach Aschaffenburg gemeinsam die notwendigen Maßnahmen beschließen. Dazu mahnt uns Angela Merkel mit Fug und Recht. Noch ist es nicht zu spät", sagte Ex-Kanzleramtsminister Peter Altmaier gegenüber der "Bild". "Somit war es falsch, einen Antrag einzubringen und die Zustimmung der AfD in Kauf zu nehmen. Es entsteht weitere Spaltung statt Zusammenhalt. Dass so erstmals und ohne Not eine Mehrheit für einen Antrag mit den Stimmen der AfD als Mehrheitsbeschaffer zustande kam, empfinde ich als Christdemokrat als beschämend", merkt der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes Tobias Hans gegenüber dem Blatt.

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