Recep Tayyip Erdogan privat: Bestechung, Korruption, Macht - So läufts beim Erdogan-Clan

Kurz nach der Ankündigung, die Todesstrafe erneut in der Türkei einzuführen, ist Recep Tayyip Erdogan der meistdiskutierte Mann Europas. Doch was steckt hinter der gnadenlosen Fassade des türkischen Präsidenten?

Von news.de-Volontärin Maria Gregor - Uhr

Recep Tayyip Erdogan mit seiner Frau Emine. Das Paar ist seit 1978 verheiratet. (Foto) Suche
Recep Tayyip Erdogan mit seiner Frau Emine. Das Paar ist seit 1978 verheiratet. Bild: dpa

Recep Tayyip Erdogan ist nicht nur der Präsident der Türkei. Er ist auch das Oberhaupt eines mächtigen Clans. Mit Ehefrau Emine hat er zwei Töchter und zwei Söhne und jedes einzelne Mitglied der Erdogan-Familie hat seine ganz eigene, teils dubiose Geschichte...

Emine Erdogan lobt die Vorzüge eines Harems

Emine Erdogan machte erst vor kurzem negative Schlagzeilen, als sie die Vorteile eines Harems lobte: "Der Harem war eine Schule für Mitglieder der osmanischen Dynastie und eine Lehreinrichtung, in der Frauen auf das Leben vorbereitet wurden", sagte die 61-Jährige Anfang März in einer Rede.

Prompt folgten die Kritiker. So sagte Oppositionspolitiker Hüseyin Aygün laut "tagesspiegel.de", dass Erdogans Frau damit eine Folterkammer preise, "in der 24 Stunden am Tag vergewaltigt wurde."

Recep Tayyip Erdogan seit 1978 mit Frau Emine verheiratet

An Erdogans Seite tritt Emine stets mit Kopftuch auf. Dabei wollte sie dieses anfangs nicht freiwillig tragen. Mit 15 habe sie ihr Bruder gezwungen, sich zu verhüllen, so "bild.de". Daraufhin durfte sie nicht mehr studieren, da das Tragen von Kopftüchern an türkischen Hochschulen verboten ist.

Auch die Heirat mit Recep Tayyip Erdogan verlief nicht reibungslos. Denn seine Mutter war nicht damit einverstanden, dass ihr Sohn eine Frau heirate, die lediglich ein Kopftuch trage. Sie bestand auf einen Ganzkörper-Tschador. Ganze sechs Monate rang Erdogan mit seiner Mutter und gewann den Kampf. Das Paar ist seit 1978 verheiratet.

Präsident Erdogan privat: Das sind seine Kinder

Gemeinsam hat das Präsidenten-Paar vier Kinder. Der älteste Sohn Ahmet Burak Erdogan wird laut "bild.de" 80 Millionen Dollar schwer geschätzt. Sein Vermögen machte er im Seefracht-Geschäft. Gerüchten zufolge soll die Regierung seine Geschäfte unterstützt haben.

Kam sein Sohn Ahmet Burak Erdogan mit einem Mord davon?

1998 wurde die Sängerin Sevim Tanürek in Istanbul von Ahmet Burak Erdogan überfahren. Sie starb kurz darauf im Krankenhaus. Erdogans Sohn wurde Fahrerflucht und Fahren ohne Führerschein vorgeworfen. Doch er kam davon.

Ein Verkehrsgutachter änderte kurz vor der Verhandlung seinen Bericht. Wenig später wurde ervon Erdogan zum Vize der staatlichen Schifffahrtsgesellschaft ernannt.

Korruptionsskandal um Erdogan-Nachwuchs

Auch sein zweiter Sohn, Necmettin Bilal Erdogan, taucht immer wieder in Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften in der Presse auf. So soll er drei Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt haben, um günstig an Immobilien zu gelangen. Auch gegen seine Stiftung wird ermittelt. Der anklagende Staatsanwalt wurde von seinen Aufgaben entbunden. Bilal lebt nun in Italien. Die dortigen Behörden sollen seit März wegen angeblicher Geldwäsche gegen ihn ermitteln.

5 Gründe, warum der Aufstand gegen Erdogan gescheitert ist
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  • 1. Das Volk leistete Widerstand


    Präsident Recep Tayyip Erdogan hat glühende Anhänger in der Türkei, die in Massen auf die Straße zogen. Seit 2002 hat seine islamisch-konservative AKP jede Wahl gewonnen. Noch wichtiger: Erdogans Kritiker lehnten den Putschversuch ebenfalls ab. Drei Oppositionsparteien sitzen im Parlament, alle drei schlugen sich auf die Seite der Regierung. Auch die Polizei blieb der Regierung treu. Die Türken erinnern sich noch gut an den Putsch von 1980. Während der folgenden Militärdiktatur saßen Zehntausende im Gefängnis.

  • 2. Das Militär war gespalten


    Wenn die Putschisten gehofft hatten, dass sich ihnen große Teile der Armee anschließen würden, ging die Rechnung nicht auf. Deshalb hatten sie wohl auch schlicht nicht genug Soldaten, um strategisch wichtige Orte zu besetzen und auch zu halten. Armeechef Hulusi Akar und andere hochrangige Militärs waren regierungstreu - ebenso die Piloten, die sich auf Befehl der Regierung in Kampfjets setzen, um von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen.

  • 3. Die Putschisten konnten Erdogan nicht festsetzen


    Der Präsident war im Urlaub an der türkischen Ägäis-Küste in Marmaris. Sein Hotel wurde nach Erdogans Angaben auch bombardiert - aber erst, nachdem er abgereist war.

  • 4. Erdogan nutzte das Internet


    Obwohl über Stunden unklar war, wo Erdogan steckte, konnte er sein Volk erreichen. Im Fernsehsender CNN Türk war er auf dem Bildschirm eines Smartphones zu sehen, das eine Moderatorin in die Kamera hielt. Per Facetime, einem Apple-Dienst für Videotelefonie, sprach er zum Land. Auch Twitter nutzte er, den Kurznachrichtendienst, den er vor gut zwei Jahren noch hatte blockieren wollen. Rasend schnell verbreiteten sich im Netz Bilder von Zivilisten, die sich den Putschisten entgegenstellten.

  • 5. Die Weltgemeinschaft stellte sich hinter Erdogan


    Ob Vereinte Nationen, Nato, EU, USA, Russland oder Bundesregierung, keine internationale Stimme von Weltrang hieß den versuchten Putsch gut - bei aller Kritik am türkischen Präsidenten und dessen autoritärem Führungsstil. Einstimmig mahnte die internationale Gemeinschaft, Blutvergießen zu verhindern und die demokratische Grundordnung zu achten.

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