Alles Böhse Onkelz?: Die gefährlichsten Bands Deutschlands

Über 100 aktive Nazi-Bands und Liedermacher gibt es in Deutschland. Das Spektrum ist dabei so breit wie unübersichtlich. Von Nazi-Black-Metal über Rechtsrock bis zum Hatecore: Das sind Deutschlands gefährlichste Bands.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Von A wie Absurd, Act of Violence und Adrenalin über F wie Flammentod und Freibeuter bis zu S wie Sturm 18 und W wie Wolfsrudel - Bands mit unübersehbarer Rechts-Tendenz gibt es zahlreiche. Das Portal «Netz gegen Nazis» geht allein in Deutschland davon aus, dass mehr als 100 aktive Nazi-Bands und rechtsextreme Liedermacher in der Szene heimisch sind. Aber: Wo endet unbeschwerter Patriotismus für das eigene Land und wo sind die Grenzen zur «Deutschtümelei» zu ziehen?

Was kommt eigentlich auf den Index?
Bushidos Skandal-Song
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  • Zuständig für die Indizierung von Filmen, Schriften, Spielen, Tonträgern und auch Internetangeboten ist die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) in Bonn.

  • Was auf den Index kommt, ist in Paragraf 18 Absatz 4 des Jugendschutzgesetzes geregelt. Als jugendgefährdend gelten vor allem «unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Medien».

  • Gewalt verherrlichende oder verharmlosende Angebote unterliegen auch dem Strafrecht. 2012 entschied die BPjM bei 1144 eingegangenen Verfahren, 605 Medien auf den Index zu setzen - darunter 114 Videos, DVDs und Laser-Disks.

  • Die Prüfstelle wird auf Antrag bestimmter vom Gesetzgeber ermächtigter Stellen wie Jugendämtern oder der Kommission für Jugendmedienschutz tätig. Sie kann aber auch ohne Antrag prüfen, damit möglichst alle jugendgefährdenden Angebote in die Liste der indizierten Medien aufgenommen werden.

  • Dabei wird die mögliche Jugendgefährdung in jedem Einzelfall auch mit den Grundrechten auf freie Meinungsäußerung und Kunstfreiheit abgewogen. Nicht zu den Aufgaben der Prüfstelle gehört, Medien zu beschlagnahmen und einzuziehen. Hierfür muss die zuständige Staatsanwaltschaft bei Gericht einen Beschluss erwirken.

  • Die BPjM untersteht dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Als Bundesbehörde hat sie gerichtsähnliche Funktionen. Ihre Mitglieder, das heißt die Beisitzerinnen und Beisitzer sowie die derzeitige Vorsitzende Elke Monssen-Engberding, sind nicht an Weisungen gebunden.

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    Fakt ist: Bands wie Böhse Onkelz, die in diesem Jahr ihr Bühnen-Comeback nach neun Jahren Abstinenz geben werden, und Frei.Wild, gegen die ein Indizierungsverfahren aufgrund ihres Songs «Rache muss sein» jüngst scheiterte, sind hierzulande wahre Chartstürmer. Die letzten beiden Alben der in Südtirol gegründeten Frei.Wild stiegen bis auf Platz eins der Albumcharts. Trotzdem (oder gerade deswegen) wird die Band immer wieder kritisch beäugt.

    VIDEO: Verdammte Welt

    Video: youtube.com/user/FreiWildBrixen

    Verbreiten Frei.Wild Hass auf Andersdenkende?

    Wenn man Thomas Kuban, einem Journalisten, der seit mehreren Jahren unter diesem Pseudonym über Rechtsrock jeglicher Art berichtet, folgen will, dann haben Frei.Wild «in ihren Liedern unter anderem Hass auf Andersdenkende verbreitet, Gewalt verherrlicht, mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen gearbeitet und antisemitische Stereotype bedient». Und wer will sich ernsthaft darüber wundern, dass man Zeilen wie: «Südtirol, sind stolze Söhne von dir. Unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her.», mit nationalistischer Propaganda verbinden kann.

    Reicht ein «Nazis raus» aus?

    Die Band um den ehemaligen Skinhead Philipp Burger, der seine frühere Zugehörigkeit zur rechten Szene heute als Fehler bezeichnet, gibt sich demonstrativ distanziert: «Alle Tonträger wurden ja schon von Gutachtern überprüft und als bedenkenlos eingestuft», heißt es da in einer Pressemitteilung. Doch reicht das aus? Reicht es aus, auf einem Konzert «Nazis raus» ins Mikro zu sagen und dennoch zu wissen, dass die eigene Musik in rechten Kreisen mehr als nur Anklang findet? Wer das tut, stiehlt sich aus seiner Verantwortung. 

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